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Ein klassisches Eigentor!

Bericht vom 20.11.2019 (U C)

Quelle: Manfred Hahnen

Eine Stellungnahme von Manfred Hahnen, 1.Vorsitzender TuS Norderney und Vertreter im Kreissportbund für die Inseln Baltrum, Juist und Norderney

Borkum kassiert Kurbeiträge von Sportlern: ein klassisches Eigentor!

Eine Stellungnahme von Manfred Hahnen, 1.Vorsitzender TuS Norderney und Vertreter im Kreissportbund für die Inseln Baltrum, Juist und Norderney

Als ich kürzlich verschiedene regionale Zeitungen aufschlug, dachte ich ganz kurz, dass ich tatsächlich den Winter verschlafen hätte. „Sportler müssen Kurtaxe zahlen“ titelte die „Emder Zeitung“; In der „Ostfriesenzeitung“ lautete die entsprechende Überschrift: „Borkum bittet jetzt auch die Sportler zur Kasse“. Und nein, es war noch nicht der 1. April 2020, sondern Ende Oktober 2019. Statt des Schmunzelns über einen Aprilscherz überkam mich vor allem eins: Fassungslosigkeit! Fassungslosigkeit, die sich bis heute nicht gelegt hat.

Die Borkumer meinen es also ernst: Die Insel hebt mit Wirkung zum 1. Januar 2020 die Kurtaxbefreiung für (Breiten-)Sportler auf. Der Stadtrat hat dafür die Satzung per Beschluss geändert. Andrea Beck, die auf Borkum für die Finanzen der Insel verantwortlich ist, bezeichnete diesen Schritt aus rechtlichen und finanziellen Gründen als „notwendig“.

Fürs Protokoll: Das bewusste Abkassieren von sporttreibenden Erwachsenen und Kindern ist „notwendig“?! Ich sage Ihnen, was „notwendig“ ist: Notwendig für alle Inselsportvereine – ob nun von Borkum, Norderney, Juist oder Baltrum – ist, dass festländische Sportvereine und -verbände überhaupt Zeit und Geld investieren, um den Insulanern die Teilnahme an regelmäßigen Wettkämpfen zu ermöglichen. Denn eins muss den Verantwortlichen aller sieben ostfriesischen Inseln klar sein: Die Festländer brauchen uns für den Spielbetrieb nicht, aber wir brauchen die Festländer!

Vor diesem Hintergrund halte ich die Entscheidung aus mehreren Gründen für bedenklich:

In der Betrachtung der Borkumer werden zum einen alle Sportler über einen Kamm geschert, sprich: Von einem F-jugendlichen Fußballer eines Festlandvereins wird künftig genauso ein Gästebeitrag verlangt wie von einem Sportler, der beispielsweise an einer kommerziellen Ausdauersport-Veranstaltung teilnimmt. Mit dem Unterschied, dass der F-Jugendliche nur zwei bis drei Stunden auf der Insel verweilt – und nicht gleich ein ganzes Wochenende, möglicherweise inklusive Bad- und Strandbesuchen. Es ist gar keine Frage, dass bei mehrtägigen Sportveranstaltungen Kurbeiträge fällig werden. Aber bei punktuellen Wettkämpfen im Breitensport darf das keine Option sein.

Ein weiterer Punkt sind die ohnehin schon hohen Kosten, die Festlandvereine auf sich nehmen, um den Borkumer Sportlern den Spielbetrieb zu ermöglichen. Laut Winfried Neumann, Kreisvorsitzender für Ostfriesland im Niedersächsischen Fußballverband (NFV), kommen auf die Vereine allein für die Fährüberfahrt nach Borkum bereits Kosten von „350 bis 400 Euro“ zu, wie er gegenüber der „Ostfriesenzeitung“ sagte. Die sich daraus ergebende jährliche Summe belaufe sich rund 20.000 Euro. Ganz abgesehen von dem immensen zeitlichen Aufwand, den die Trainer und Betreuer ehrenamtlich leisten, um ihre Schützlinge für 60 bis 90 Minuten Sport auf die Insel zu begleiten.

Wo wir gerade bei den Kosten sind: Die Finanzexpertin Beck spricht von „mehreren hunderttausend Euro“, die die Borkumer aufbringen müssten, wenn Sportler von der Zahlung der Kurbeiträge weiterhin befreit wären. Dabei wird aber verschwiegen oder einfach nur missachtet, dass der Großteil dieser Summe gar nicht aus dem Breitensportbetrieb kommen kann – wie ein grober Vergleich mit dem TuS Norderney zeigt: Wir haben in etwa die gleiche Größe wie der TuS Borkum und begrüßen im regelmäßigen Sportbetrieb sämtlicher Sparten pro Jahr rund 1.500 Breitensportler vom Festland bei uns auf Norderney. Würden wir diese mit Tagessatz-Kurbeiträgen belegen, entspräche dies über alle Altersklassen und Saisonzeiten hinweg gerade mal jährlichen Mehreinnahmen von rund 3000 Euro.

Bei allem Respekt und ohne detaillierte Einsicht in die Borkumer Bilanzbücher zu haben: Verglichen mit dem Risiko, dass die festländischen Vereine irgendwann nicht mehr zum Sporttreiben auf die Inseln reisen, wirkt die Option auf 3000 Euro mehr nahezu lächerlich! Ich stelle mir daher kopfschüttelnd die Frage: Warum werden in den Kurbeitragsregelungen nicht – wie andernorts und bisher auch üblich – Ausnahmen für Breitensportvereine geschaffen, die nur für einen mehrstündigen Inselaufenthalt nach Borkum reisen?

„Das ist ein Schlag ins Gesicht aller Freizeitsportler“, bezeichnete Winfried Neumann vom NFV das Vorgehens Borkums. Ich gehe noch einen Schritt weiter: Dass die ehrenamtliche Arbeit von Breitensportvereinen mit der Arbeit von kommerziellen Anbietern gleichgestellt wird, ist nicht nur ein Schlag ins Gesicht, sondern ein Tritt ganz weit unter der Gürtellinie. Oder um es in der Sportlersprache auszudrücken: ein klassisches Eigentor von Borkum!

Abschließend möchte ich festhalten: Der TuS Norderney ist sehr froh und dankbar, dass die Vereine des Kreises Ostfriesland bereit sind, Kosten und Mühen auf sich zu nehmen, um uns Insulanern – ganz besonders unserer Jugend – den sportlichen Wettkampf zu ermöglichen.