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Anführer der Insulaner

Bericht vom 25.08.2012 (Ulrich Cramer)

Quelle: www.dfb.de, Redakteur Gereon Tönnihsen

Der Bericht wurde von Angelika Ohm auf der Seite www.dfb.de gefunden

Ehrenamtler der Woche: Anführer der Insulaner

Hahnen (l.): "Hat sich so ergeben"Ohne sie kann der Fußball nicht bestehen: die ehrenamtlichen Helfer. DFB.de-Redakteur Gereon Tönnihsen stellt immer dienstags einige von ihnen vor. Was sie antreibt, was sie bewegt, was sie leisten – und wie wichtig ihr Engagement ist. Ihnen allen ist eines gemeinsam: Sie leben Fußball.

Diese Geschichte handelt von einer Insel im Meer, von einem Mann, der hier geboren wurde und fast sein ganzes Leben hier verbracht hat. „Norderney, Norderney, eine Insel wie ein Traum: Wiesen, Watt und weiße Dünen, Wolken, Wind und Wellenschaum“, heißt es in einem Lied über das Eiland in der Nordsee.

Was so poetisch daher kommt, ist für Manfred Hahnen echte Empfindung. Der 49-Jährige nennt sich selbst „Ureinwohner von Norderney“ und ist ganz nebenbei auch der Vorsitzende des einzigen Sportvereins auf der Insel, des TuS Norderney.

B-Lizenz mit 26, Vorstandsmitglied und Abteilungsleiter

Wer seine Vita liest, wird diese Entwicklung für logisch halten, auch wenn sein Engagement alles ist, nur nicht selbstverständlich. Mit sieben Jahren tritt Hahnen dem TuS bei, ist ein begeisterter Fußballer. Während er mit den Senioren in der Kreis- und Bezirksklasse spielt, trainiert er seine erste Jugendmannschaft. Mit 26 macht er die B-Lizenz.

Als er seine Fußballschuhe an den Nagel hängt, hat er rund 500 Spiele für seinen TuS gemacht. Doch fertig ist er mit dem Verein noch lange nicht: Noch einige Jahre bleibt er Jugendtrainer, betreut für vier Spielzeiten die erste Mannschaft, ist Vorstandsmitglied und Abteilungsleiter Fußball.

Seit einem Jahr ist er Vorsitzender. „Das hat sich so ergeben“, sagt Hahnen. "Ich bin da hineingewachsen und mir gefällt meine Aufgabe. Der TuS ist mein Verein. Ich möchte etwas davon zurückgegeben, was er mir gegeben hat."

Zwei Stunden hin, zwei Stunden zurück

Der TuS Norderney ist eine Schicksalsgemeinschaft. Man kennt sich, jeder dritte Insulaner ist Mitglied (rund 1400, davon spielen 300 Fußball). Wer den Verein wechseln will, muss Norderney verlassen – oder weite Fahrten in Kauf nehmen. Die kennen die Spieler von der Insel nur zu gut, von der F-Jugend bis zu den Senioren.

„Eine Stunde mit der Fähre, im Schnitt eine Stunde von Norddeich mit dem Bus, dann sind wir beim Auswärtsspiel“, sagt Manfred Hahnen. Die Kosten, alljährlich rund 40.000 Euro, kann der Verein nur schultern, weil andere Sparten wie Badminton oder Gymnastik keine derartigen Touren auf sich nehmen müssen. „Einfach ist die ganze Kalkulation nicht“, sagt Hahnen. „Wir sind ein Solidaritätsverein, eine große Familie.“

Die Spieler: Saisonarbeiter und Zivis

Jahr für Jahr stehen Hahnen und seine Fußballkollegen vor der immer gleichen Aufgabe: Wie bekommen wir eine schlagkräftige erste Mannschaft zusammen? Viele Einheimische verlassen die Insel: wegen Studium, Ausbildung und Beruf. "Der Stamm der Mannschaft", sagt Manfred Hahnen, "besteht aus vier, fünf Leuten, die von Norderney kommen und hier auch leben." Die anderen sind Saisonarbeiter, die im Tourismus und in der Gastronomie zu tun haben, und Zivis.

Im Sommer sind manchmal 100.000 Menschen auf Norderney. Die wollen versorgt werden. Doch die, die das tun, sind oft nach kurzer Zeit wieder weg. Fluch und Segen für die Fußballer: "Wir können nur kurzfristig planen. Mal spielen wir um den Aufstieg mit, mal sind wir froh, wenn wir drinbleiben. So ist das eben." Immerhin: Die TuS-Heimspiele sind fast immer gut besucht. "Unsere Gegner bringen dann ihr halbes Dorf mit. Die verbinden dann das Spiel mit einem Ausflug an den Strand."


Norderney im Sommer: Kicken am Strand zwischen Dünen und Meer1500 Fußballer am Strand

Nicht zuletzt dieser Umstand ist es, der Manfred Hahnen vor acht Jahren auf eine so gute, weil an sich naheliegende Idee bringt: "Wir haben so einen schönen Strand. Warum können wir da nicht Fußball spielen?" Ein TuS-internes Turnier für alle Jugendmannschaften entsteht. Später wird die eine oder andere Mannschaft vom Festland eingeladen, doch allein dabei bleibt es nicht.

In diesem Jahr werden 110 Mannschaften von den F- bis zu den D-Junioren mit rund 1500 Teilnehmern auf zwölf Strandplätzen um den "Junior-Beachsoccer-Cup" spielen. Sie kommen aus Bremerhaven oder Rheine, aus Jever oder Herne. Die Organisatoren hatten 400 Anmeldewünsche vorliegen. Doch für so viele reicht die Kapazität nicht.

Ein Vorteil der Insel: "Man hilft sich"

Auch so sei es das größte Beachsoccer-Jugendturnier in Deutschland, sagt Manfred Hahnen. Die Mannschaften schlagen ihr Quartier auf dem Sportplatz auf. "Der ist dann ein einziges Meer aus Zelten. Ein wunderschönes Bild", sagt Friedrich Harms, Vorsitzender des Fußballkreises Aurich. "Es ist beeindruckend, was dort auf die Beine gestellt wird."

Hinter diesem Großprojekt stehen 120 Ehrenamtliche mit Vereinschef Hahnen an der Spitze. Anders wäre eine solche Veranstaltung gar nicht zu bewältigen. "Auch das ist ein Vorteil der Insel. Man hilft sich", sagt Hahnen. Zwei Jahre hat er mal in Goslar im Harz verbracht. Dann hat es in wieder nach Norderney gezogen. "Einmal Insel, immer Insel", sagt er. Oder anders: einmal TuS, immer TuS.